Abenteuer Handicaphund

Wir nehmen seit 2015 Pflegehunde bei uns auf, um ihnen ein eigenes Zuhause zu suchen. Als wir im Februar nach einem neuen Ausschau hielten, fiel uns einer ganz besonders ins Auge. Dem kleinen Welpen fehlte ein Vorderpfötchen und man sagte uns, dass er es dadurch ganz besonders schwer haben wird, ein Zuhause zu finden. Aber wieso ist das so?

Als wir uns für diesen ganz besonderen Pflegehund entschieden, hatte ich natürlich auch Angst, dass es eine Herausforderung werden könnte. Ich war mir nicht sicher, auf was man achten müsste und was ein Hund mit Handicap alles kann und nicht kann. Wie meistern wir die Treppen zu unserer Wohnung, wie groß dürfen die Runden sein, die wir gehen und was können wir machen, damit es ihm am besten geht? Wir waren diesbezüglich unerfahren und mussten erstmal versuchen, das alles rauszufinden. Ich wusste nur, dass wir alles für diesen Hund machen werden und uns ganz entspannt in dieses kleine Abenteuer stürzen wollen.

Mateo mit seiner Schwester auf Kreta

Als der neue Pflegewelpe namens Mateo dann zu uns kam, wurde mir schnell klar, dass der Kleine gar nicht weiß, dass er anders ist als andere Hunde. Auch Sammy und Yuna haben ihn wie einen ganz normalen Hund behandelt. Er braucht gar kein Mitleid, da sein Zustand nicht schlimm für ihn ist. Leider hat er nicht viel Gutes erlebt in seinem kurzen Leben. Mateo wurde zusammen mit seiner Schwester im Müll in der Nähe einer Autobahn gefunden. Die Tierärzte waren sich alle sicher, dass er nicht mit einer fehlenden Pfote geboren wurde. Das Narbengewebe deutet darauf hin, dass er sie irgendwann durch einen Unfall verloren haben muss. Aber auch das ließ er sich nicht anmerken, er ist der unkomplizierteste und liebste Hund, den wir jemals getroffen haben. Er war nach kurzer Zeit bei uns aufgetaut und zeigte sich als lebensfroher Welpe, der sein Leben liebt und genießt. Leider sehen das viele Menschen, die man draußen trifft, nicht direkt. Man muss immer damit rechnen, dass man ständig angesprochen wird, die Leute tuscheln oder im Akkord „Ooooh, der Arme!!“ rufen.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und das spiegelt sich auch oft in der Wahl unserer Hunden wider. Diese sollen möglichst perfekt aussehen, Preise für uns gewinnen und natürlich immer leistungsfähig sein. Natürlich weiß ich, dass ein Handicaphund nicht in jeden Lebensstil passt, aber sie sind nicht weniger gute Familienmitglieder oder Begleiter. Es gibt keine perfekten Menschen und auch keine perfekten Hunde, aber es gibt Menschen und Hunde, die perfekt zusammen passen. Und das wird nicht von einer fehlenden Pfote definiert. Mateo konnte trotzdem bei allem dabei sein, ob große Wanderung, Ausflug mit dem Fahrrad oder Schwimmen am See. Durch Bollerwagen, Fahrradanhänger und Schwimmweste wird alles möglich und alltagstauglich. Weder wir, noch unsere Hunde mussten für Mateo zurückstecken. Auch die aktuellen Möglichkeiten, Hunden Prothesen oder Rollstühle zu bauen, helfen ihnen mit ihrem Handicap ungemein. Man kann auch nur staunen, wie schnell Mateo mit seiner Prothese über die Wiese flitzen kann!

Diese zwei Monate mit Mateo haben mir den Respekt vor der „Aufgabe“ Handicaphund genommen. Ich konnte alle Ängste und Sorgen verlieren und weiß jetzt, dass sie einfach ganz normale Hunde sind und dass eine Behinderung etwas ist, was jedem von uns Menschen und auch unseren Hunden passieren kann. Ein Handicap ist kein Grund, einen Hund einzuschläfern. Hunde haben einen starken Lebenswillen und können sich schnell an neue Situationen anpassen. Sie nehmen ihr Handicap an und machen das Beste daraus.

Ich bin Mateo so dankbar, dass er mir gezeigt hat, worauf es ankommt und was überhaupt wichtig ist, wenn man einen Hund bei sich aufnimmt. Es gibt viele Handicaphunde, die es wahnsinnig schwer haben, ein Zuhause zu finden. Ich hoffe, dass wir durch Mateos Abenteuer bei uns ein paar Menschen, die Berührungsängste mit behinderten Hunden nehmen konnten. Bei uns hat er das mit seinem sanften und fröhlichen Gemüt definitiv sofort geschafft.

 

Wir stellen fest: der nächste Hund, der bei uns einzieht, darf gerne auch ein Handicap haben!

 

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